
Der kleine Spion aus dem Weltall hat heute früh unerwartet diese Erde verlassen und lässt mich tieftraurig und doch dankbar zurück.
Tieftraurig, der kleinen Polly nie mehr den Bauch streicheln und ihr bei ihren wilden Ideen zusehen zu können, tieftraurig jetzt ein riesiges Loch im Herzen zu haben.
Aber auch dankbar, mich so in sie verlieben zu dürfen, fast drei Jahre jeden Tag zu denken: "Was für eine abgefahrene, irre süße Katze sie doch ist."
Sie war ein ungestümer Wirbelwind und zu wagemutig um alt zu sterben.
Ein Auto hat sie heute angefahren und sie so schwer verletzt, dass wir mit den Ärzten die Entscheidung treffen mussten, sie gehen zu lassen.
Wir haben sie gestreichelt bis sie nicht mehr hier war.
Wir wissen nicht woher sie kam und wie viele ihrer Leben sie vor der Zeit im Tierheim schon aufgebraucht hat. Bei uns alleine waren es zwei.
Zwei mal hat sie auf wunderhafte Weise Dinge überlebt, die man dem kleinen Wesen nicht zugetraut hätte.
Und zwei mal hab ich gespürt, dass sie mein bester kleiner Freund ist auf den ich aufpassen muss.
Aber ich wollte sie auch nicht einsperren vor Angst, sie zu verlieren und ihr somit das Leben zu nehmen das sie führen wollte.
Sie war ein rasender Wirbelwind dem sehr viel gefehlt hat was Katzen ausmacht. Aber was sie auch so besonders und zu Polly machte:
Sie hat nie miaut oder wie Mali geningelt um gefüttert zu werden, sie hatte vor Nichts und Niemandem Angst und lebte in ihrer eigenen Welt, in ihrem Tempo und liess sich von nichts aus ihrer Ruhe bringen.
Sie raste Abends und nach dem Frühstück durch die Wohnung, sprang auf Schränke und brauchte ihre Freiheit auf dem Dach.
Stumm und ruhig beobachtete sie uns und liebte es über alles, dem Chouchou beim Reparieren von Geräten oder mir beim Basteln zuzusehen.
Sie war immer stumm und ruhig.
Aber sie liebte es zu kuscheln, legte sich auf den Rücken und fiepte vor Glück wenn man sie knuddelte und streichelte und schlief wie ein Stofftier neben mir und meinem Kopf.
Das werde ich so vermissen.
Aber nie nie nie vergessen.
Ich habe heute wieder einmal begriffen, wie wichtig jeder Tag ist, der gut gelebt wird.
Nicht halbherzig, sondern mit ganz viel Liebe.
Heute tut all diese Liebe schrecklich weh aber ich bin trotzdem dankbar für sie.
Ich hatte noch nie ein Tier dass ich so geliebt habe.
Und ich glaube auch kaum, dass es je eine Katze geben wird, die Pollys Loch in mir füllen kann.
Aber ich weiß aus Erfahrung, dass andere Dinge kommen werden und dieses Loch dann nicht mehr weh tut.
Zeit heilt alles.
Ich bin dankbar für die Zeit mit Polly, die aus so vielen Tagen und Erlebnissen besteht, dass ich wohl ein kleines Buch darüber schreiben werde.
Wenn es nicht mehr so weh tut.
Jetzt aber bin ich froh um Mali, die sehr katzenhaft ist und spürt wenn sie zum trösten neben einem liegen muss.
Und erinnere mich an den aufregenden Tag, an dem Polly zu uns kam.
